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Adelsverein – In Translation

I have always wanted to see the Trilogy translated into German. Now and again I have gotten emails from readers, wistfully asking if there was such, as stories of the Old West have been wildly popular in Germany, ever since the days of Karl May – Germany’s answer to Zane Grey. So, I have worked out an arrangment with a professional translator: it will be an awful lot of work for him, but sales of a German version may very well pay off. Here, as a sample chapter, is Chapter 1 of Adelsverein: The Gathering. If you are fluent, take a look and tell us what you think.

 Kapitel 1 – Ein Fürst unter den Menschen

Acht Jahre später: August 1844, Washington-on-the-Brazos

Ehemalige Hauptstadt des Staates Texas

 

In einer stillen Ecke der verrauchten Spelunke, die von lauten, fröhlichen Stimmen erfüllt war, saßen zwei junge Männer. Ihre Rücken an die Wand gelehnt, teilten sie sich in aller Ruhe eine Flasche Bourbon-Whisky. Trotz ihrer lässigen Haltung beobachteten sie die Menschenmenge aufmerksam. Jedes Mal, wenn sich die Tür öffnete und ein Gast eintrat, schaute einer von ihnen verstohlen hinüber. Allem Anschein nach waren sie gerade von einer mehrtägigen Jagd zurückgekommen, denn ihre abgetragenen Leinenhosen und Arbeitshemden waren schmutzig. Der größere der beiden trug ein Hirschlederwams und lächelte immer wieder leicht belustigt. Die Sonne hatte seine hellen Haare fast weiß gebleicht. Er schien großen Respekt für seinen Begleiter zu haben, denn er zeigte sich ihm gegenüber sehr zuvorkommend.

Der andere Mann war schmächtig und hatte ernste Züge. Er schien kaum alt genug zu sein, um sich zu rasieren und wirkte wie ein wohlerzogener Schuljunge, aber die beiden trugen je ein Paar Paterson-Colt-Revolver mit der gleichen Selbstverständlichkeit wie andere Taschenuhr und Kette. Auf den ersten Blick, und selbst bei genauerer Betrachtung, sah keiner von beiden wichtig aus. Dennoch hielten die anderen respektvoll Abstand von dem jungen Mann und seinem hochgewachsenen, hellhaarigen Begleiter mit dem wettergegerbten Gesicht eines friedfertigen, nicht besonders schlauen Bauern.

 

Die lauteste Gruppe Gäste in der Schenke scharte sich um einen Herrn in einem prachtvollen, mit fremden Orden behängten Mantel. Er trug hohe Reitstiefel und eine feine Reithose aus Rehleder, die so eng saß, dass sie wie aufgemalt wirkte. Offiziell war die Hauptstadt längst nach Austin verlegt worden, aber die wichtigsten Männer im Staat erledigten ihre Geschäfte immer noch gerne in Washington-on-the-Brazos.

„Tut mir leid um deinen Vater“, sagte der jüngere plötzlich.

„Da bist du beinahe der Einzige“, antwortete Carl Becker ohne Groll. „Mir hat es auch leid getan, aber nur, weil er gestorben ist, bevor ich ihm meinen Erfolg unter die Nase reiben konnte.“

„Er hat das Anwesen verkauft, nicht wahr?“ fragte der jüngere Mann nachdenklich.

„Alles bis auf unser Haus“, antwortete Carl. Er rückte unruhig auf seiner Bank umher und warf wieder einen Blick durch den Raum. Dieses Mal war er sehr lange in der Wildnis gewesen, und die Gegenwart so vieler Menschen unter einem Dach schien ihm immer noch erdrückend. „Ich habe es meiner Schwester gelassen. Ihr Mann ist an der Schwindsucht gestorben, und sie steht allein mit vier Kindern da. Ich habe meine Grundbriefe immer noch … habe nur nie einen guten Ort gefunden, um mich niederzulassen.“

„Kommst du mit zurück, wenn wir wieder finanziert werden?“

„Weiß nicht.“ Sein Blick überflog den Raum, und wieder blieb er an dem Mann in der prunkvollen Uniform haften.

“Wer ist denn der feine Herr, Jack? Scheint ja sehr beliebt zu sein.“

„Er ist ein Fürst“, erwiderte Jack, und als er Carls amüsierten Blick traf, fügte er hinzu: „Hast du nicht von ihm gehört? Ein waschechter blaublütiger Adliger aus hohem Hause.“

„Ich bin jetzt monatelang Komantschen am South Fork hinterhergerannt“, entschuldigte Carl sich. „Ich komme nicht oft unter zivilisierte Leute.“

Jack musste schmunzeln.

„Dazu schicke ich dich doch schließlich da raus, Dutch, und bezahle dich so fürstlich …“

„Es gibt Bezahlung?“ Carl heuchelte Verblüffung und Jack lachte sogleich.

„Die Versprechungen und der Dank der Bürger sind dir sicher! Zu dumm, dass man Versprechungen und Dank nicht essen kann, aber was soll’s. Wir müssen dankbar sein, dass die Rangers immerhin mit Munition versorgt werden. Die Leute reden dieser Tage über nichts als den Fürsten. Letzten Juli ist er in New Orleans gelandet, und seitdem ist er standesgemäß unterwegs. Wie eine Art Zirkus, scheint mir. Die Hälfte hier kommt, weil sie einmal einen richtigen Fürsten sehen wollen, wie man in Büchern liest. Die andere Hälfte will Elefanten und Hochseilartisten sehen.“

„Hat er die denn dabei?“ fragte Carl und schenkte sich noch zwei Fingerbreit feinen Bourbon-Whisky aus Jacks Flasche ein. Da Jack ein Gentleman war, tranken sie aus Bechern.

„Nein, aber zwei Diener hat er, die ihn jeden Morgen in seine Hose zwängen“, antwortete Jack. Carl verschluckte sich vor Lachen und verschüttete dabei sein Getränk zur Hälfte. „Ich bitte dich, Dutch, sei vorsichtig mit meiner kostbaren Pantherplörre. Es ist die Wahrheit, es gibt Zeugen. Er reitet auf einem weißen Pferd –“

„Armes Ding, hat bestimmt keinen Augenblick Ruhe vor den Mücken“, unterbrach Carl, dem das Thema sichtlich Spaß machte. Jack gebot ihm zu schweigen.

„Der Fürst hat außerdem seinen persönlichen Jäger, seinen Chefkoch und seinen Baumeister dabei. Oft hält er an und belehrt Sklavenhalter darüber, wie unmoralisch unsere eigentümliche Einrichtung ist.“

„Wie taktlos, so was zu sagen“, meinte Carl nur. „Besonders hier.“  Er war eigentlich zu diesem Thema mit dem Fürsten einer Meinung, aber er hatte nichts für die arrogante Respektlosigkeit übrig, mit der dieser sie zum Ausdruck brachte. Und schicke Uniformen hatten ihm noch nie zugesagt.

„Er weigert sich auch, Zimmer oder Mahlzeiten mit anderen Reisenden zu teilen, wirft mit seinem Geld um sich, sieht aus wie der Geck in einem Bühnenstück, gibt sich wie der böse Adlige aus tausend Romanen und hat vor, eine deutsche Siedlerkolonie auf vier Millionen Morgen Land zwischen der Llano-Hochebene und dem Colorado-Fluss zu errichten.“

„Wie gut, dass ich gerade nichts im Mund hatte“, sagte Carl nur. „Das meint er nicht ernst, oder, Captain? Die Penateka- und Jicaralla-Indianer haben da wohl ein Wörtchen mitzureden.“

„Oder sechs: ‚Zu Tisch, Brüder, es ist gedeckt!‘“ Jack nickte und lächelte über den Galgenhumor. „Hans hat ihn heute Abend hergebracht, damit wir ihn zur Vernunft bringen können. Du und Hans, ihr sprecht doch seine Sprache noch. Das wird es uns etwas leichter machen.“

„Und warum?“ fragte Carl schlicht, und Jack sah zu dem Fürsten und seinem Gefolge hinüber. Dort stand ein weiterer Mann, der die gleichen einfachen Kleider trug. Er blickte kurz zu Jack hinüber und nickte ihm zu. Jack fuhr fort:

„Der Fürst und seine Freunde in Deutschland sind mit den Plänen für ihre Kolonie schon ziemlich weit. Sie werden Schiffe anmieten, sagt er, und tausende von Menschen herüberbringen, ledige Männer und sogar  Familien. Wenn sie das fertigbringen, dann werden alle impresarios hier wie dumme Schuljungen dastehen. Aber daran zweifle ich, und wenn du ein paar Minuten mit ihm redest, wirst du auch wissen, warum.“

„Aus der Heimat“, bemerkte Carl nachdenklich, „direkt in das Land zwischen Llano und Colorado. Da reibt sich doch jeder Schwindler und Betrüger die Hände?“

„Jeder diesseits des Mississippi, soviel steht fest. Ich mache mir Sorgen, was aus denen werden soll, die er herüberbringt. Wenn ihm die ganze Sache nicht langweilig wird und er sie fallen lässt wie ein Kind, das von einem Spielzeug genug hat. Er scheint mir kein besonders begabter Anführer zu sein, Dutch.  Von den anderen haben vielleicht welche das Zeug dazu, aber ich fürchte, er wird eine Menge Grünschnäbel geradewegs einem Komantschen-Kriegstrupp in die Arme treiben, wenn wir ihm nicht etwas Vernunft beibringen.“

 

Am anderen Ende des Raums redete der Mann, der Jack zugenickt hatte, jetzt mit dem Fürsten und machte ihn auf die beiden in der Ecke aufmerksam. Darauf wandte der Fürst sich ihnen zu, und Carl konnte ihn zum ersten Mal richtig betrachten: Ein beleibter Mann um die fünfunddreißig, mit makellos gezwirbeltem Schnurrbart, von oben bis unten geleckt und geschniegelt, wie ein Rassepferd, das zu einem Rennen antritt, mit Hochmut in jedem Gesichtszug. Sein Mund hing mürrisch herunter, als ob er wie ein Kleinkind in einen Wutanfall ausbrechen könnte, wenn sich ihm jemand in den Weg stellen sollte. Doch dann lächelte er, wie dasselbe Kind, wenn ihm ein wunderbares, unerwartetes Geschenk zuteil wird, und zusammen mit Hans Rahm ging er quer durch den Raum auf sie zu.

Captain Hays! Welch Vergnügen! Bis nach Deutschland hörten wir von den wagemutigen Abenteuern Eurer Rangers; solch erstaunliche Heldentaten übersteigen meine Vorstellungskraft! Es ist mir eine Ehre, Eure Bekanntschaft zu machen, und mich von Euch zu unserem Projekt ermutigen zu lassen.“ Er setzte sich zu ihnen an den Tisch. Hinter ihm verdrehte Hans Rahm kurz die Augen.

Carl beobachte mit stiller Heiterkeit, wie Jack errötete und abwinkte: „Ach, diese Geschichten sind doch alle übertrieben. Wenn ich höre, was die Leute so erzählen, erkenne ich mich selbst kaum wieder.“

„Aber habt Ihr nicht …“ knüpfte der Fürst an, doch Jack fuhr fort:

„Die meisten von uns tun nur, was zu tun ist. Texas ist verdammt gefährlich, was immer man Ihnen erzählt haben mag. Man muss hier kämpfen wie überall anders auch. Die Leute müssen ihr Land gegen die Mexikaner und gegen die Komantschen verteidigen, bevor sie überhaupt davon leben können.“

„Aber es ist so schön hier“, erwiderte der Fürst begeistert. „Euer Leutnant Rahm hat mir den schönsten Ort beschrieben, den er je gesehen hat. Dort gibt es Quellen, die mit solchem Druck aus der Erde schießen, dass sie fast mannshohe Wasserkuppeln bilden.“

„Ach, die Springbrunnen“, warf Carl ein, „dreißig Meilen von Bexar am Comal-Fluss. Gehören den Veramendis, wenn ich mich nicht irre. Sehr schön, ja.“

Der Fürst fuhr fort, als hätte er nichts gehört: „Solch ein romantischer Anblick, in einem wunderbaren Tal voller Bäume! Und dieses Land könnte noch viel schöner und ergiebiger werden, wenn sich deutsche Bauern und Handwerker dort niederließen. Die Siedler hier sind alle so unbedacht … sie lassen Baumstümpfe vor ihren Häusern stehen und bauen nicht einmal Gemüse an. Nein, wir könnten das viel besser anstellen.“

Carls Gesicht war ausdruckslos. Seine unbedarfte Miene brachte Menschen, die ihn nicht kannten, oft dazu, ihn zu unterschätzen. In Wahrheit dachte er daran, wie schwierig es war, das Land zu roden und ihm eine Ernte abzuringen. Er fragte sich auch, ob der Fürst in seinem ganzen privilegierten Leben je einen Baum hatte fällen müssen, und ob er schon die karge Karstlandschaft gesehen hatte, die sich oberhalb der üppigen Küstenebene mit ihrem Kiefernwald erstreckte. Es sah nicht danach aus.

„Mag sein.“ Mit einem Handzeichen bestellte Jack eine weitere Flasche und zwei Becher dazu. „Aber das wird nicht über Nacht so gehen. Und mein Freund hier wird Ihnen erklären, warum das so ist.“ Er nickte Carl zu: „Das hier ist Carl Becker. Er ist einer meiner Rangers, frisch zurück von einem langen Erkundungsritt durch das Llano. Carl, das hier ist Fürst Karl von Solms-Braunfels, der Vorstand des … wie war es noch gleich, ich kann mich nie an den Namen erinnern. Ganz schöner Zungenbrecher.“

… Vereins zum Schutze deutscher Einwanderer in Texas“, sagte Fürst Karl leicht gereizt. „Und ich bin nicht der Vorstand, sondern ein Abgesandter des Vereins, der den Anfang unseres Werks hier überwachen soll. Becker, das ist doch ein deutscher Name, seid Ihr ein Landsmann?“

„Mein Großvater war aus Kassel und diente in der Armee des Landgrafen“, antwortete Carl auf Deutsch. Er verschwieg die Gerüchte, dass sein Großvater bei der ersten Gelegenheit desertiert war und führte die Unterhaltung seinem Vorgesetzten zuliebe auf Englisch fort. „Mein Vater ist als junger Mann nach Texas gekommen. Er war einer der Siedler von Baron Bastrop, damals, als Texas noch zu Mexiko gehörte.“

„Hervorragend … Es sind schon so viele Landsleute hier und sie kommen bestens zurecht!“ Die Begeisterung des Fürsten war ungetrübt. „So viele lohnende Unternehmungen, so viele fleißige Vollblutdeutsche! Das hier könnte wahrhaft eine neue deutsche Heimat werden, eine bessere und schönere Heimat, die allen den Weg erleuchtet.“

„Aber sicher nicht, wenn Sie alle nach Westen ans Llano schicken“, sagte Carl geradeheraus. Fürst Karls Gesichtsausdruck verfinsterte sich ein wenig.

„Warum nicht?“

Da erzählte Carl ihm schonungslos jede Einzelheit; ruhig und nüchtern sprach er von Verwüstungen und Gräueln; davon, wie er die Leichen von Siedlern gefunden hatte, die, noch am Leben, grausam gefoltert und nach dem Tod entsetzlich verstümmelt worden waren; von Säuglingen, die mitsamt ihren Müttern ohne viel Federlesens getötet wurden und von Kindern, die sich, entführt und von den Indianern aufgezogen, gegen ihr eigen Fleisch und Blut wandten. Carl ließ nicht ein einziges grauenhaftes Detail aus.

Als er aussetzte, um Luft zu holen, unterbrach in der erblasste Fürst: „Wie können die Indianer nur zu solch widernatürlicher Grausamkeit fähig sein! Seid Ihr sicher, dass Ihr sie nicht irgendwie … durch irgendetwas zu solcher Wildheit gereizt habt?“

Jack vermochte seine Abscheu kaum zu verbergen. „All dies haben sie den Feinden ihres Stammes mit großer Tatkraft und Begeisterung angetan, schon lange bevor wir über den Mississippi gekommen sind. Fragen Sie ruhig unsere Lipan-Apatschen, wie es zu den Zeiten ihrer Väter war. Und genau dort würden Sie Ihre Siedler genau dort ansiedeln wollen, hunderte Meilen von der Zivilisation entfernt.“

„Und hunderte Meilen von Galveston und von der Küste“, raunte Hans Rahm leise.

„Und wo sollen sie sich verstecken … wenn sie doch säen müssen?“ fügte Carl hinzu, und der Fürst schaute ihn verärgert an.

„Aber wir haben doch an alles gedacht!“ Er klang verdrossen wie ein Schuljunge, der zu Unrecht getadelt wird. „Meine Gesellschafter werden dafür sorgen, dass Beförderungsmöglichkeiten und Häuser für alle unsere Siedler zur Verfügung stehen! Wir werden uns um alles kümmern; nur das Beste soll gut genug sein. Wir werden einen eigenen Hafen bauen, so dass unsere Siedler nicht durch Galveston kommen und dort von Müßiggang und Verschwendungssucht angesteckt werden.“ Sein Gesicht hellte sich auf, als hätte er soeben eine großartige Idee gehabt. Carl fiel auf, wie ironisch es war, dass dieser Fürst, der Sklavenhalter belehren wollte, über die deutschen Einwanderer redete, als seien sie seine Leibeigenen. Hans Rahm bemerkte still:

„Vergessen Sie nicht, Fürst Solms, in Texas werden wir einander alle gleich, so sehr Sie auch ihre Kolonisten von den anderen Texanern absondern wollen.“

„Wir werden natürlich Männer anheuern müssen, die unsere Leute beschützen.  Es wäre mir eine Ehre, wenn Captain Hays mich dabei beraten könnte“, beharrte der Fürst mit störrischem Gesichtsausdruck.

„Carl wird wohl eine Weile frei sein“, erwiderte Jack, „und ich gebe Ihnen mein Ehrenwort, dass Sie keinen Besseren finden können, aber die Rangers werden ihn wieder brauchen, ehe ein Jahr vergeht.“

„Wunderbar!“ Carl fühlte sich wieder an ein Kind erinnert, das ein langersehntes Geschenk bekommt. „Wir bieten Euch ein stattliches Gehalt und eine großzügige Landschenkung – und natürlich werden wir Euch eine passende Uniform zur Verfügung stellen oder, wenn Ihr wollt, sogar eine Livree in den Farben meines Hauses.“

Carl schüttelte den Kopf.

„Die Arbeit nehme ich an“, antwortete er, „aber Ihre Uniform trage ich nicht.“

„Aber warum nicht?“ Fürst Karl hatte wieder den Gesichtsausdruck eines schmollenden Kleinkindes. „Sie ist mit Ehre verbunden. Die Uniform gäbe Euch Autorität und exzellente Zukunftschancen, denn jeder sähe sofort, dass Ihr für den Adelsverein arbeitet. Also warum nicht?“

„Ich mache mir nichts aus Uniformen“, erwiderte Carl in einem Ton, der keinen Widerspruch zuließ.

„Wenn es denn sein muss!“ Jetzt klang der Fürst eindeutig wie ein schmollendes Kind. Er erhob sich vom Tisch. „Wir sind im Hotel untergebracht. Meldet Euch morgen bei meinem Sekretär, Becker.“ Er nickte Jack und Hans Rahm freundlich zu und verabschiedete sich vom Tisch, während die drei höflich ins Leere schauten. Als Fürst Solms wieder bei seinem munteren Gefolge angelangt war, füllte Jack stumm Carls Becher auf, während Hans vergnügt knurrte:

„Trink schon, Becker. Du wirst’s brauchen.“

Carl leerte den Becher in einem Zug. Der Alkohol schnürte ihm den Atem ab, und keuchend antwortete er:

„Jack, ich mach das hier nur, weil du’s für eine gute Idee hältst, weiß Gott, warum.“

„Damit du auch mal unter feine und zivilisierte Leute kommst“, antwortete Jack belustigt, „statt immer nur Gesindel und Lumpen. Schaffst du’s, dich an die guten Tischmanieren zu erinnern, die ich dir beigebracht habe?“

Carl antwortete mit einem derben Fluch, was Jack nur noch mehr erheiterte.

„Es geht nicht nur darum, uns daran zu erinnern, warum wir den britischen König und seine adligen Herren losgeworden sind. War ’ne verdammt gute Idee. Je älter ich werde, um so weiser erscheinen mir unsere Vorfahren!“

„Mein Vater hat mir erzählt, dass Großvater wegen genau so einem desertiert ist. Ich fürchte, ich werde bald ganz genau herausfinden, warum.“

„Bestimmt. Noch ’nen Schluck?“ antwortete Hans, doch Carl legte seine Hand abwehrend über den Becher.

„Warum – und warum ich?“

Jack blickte plötzlich sehr ernsthaft drein. „Weil du ihre Sprache sprichst, und weil du so aussiehst, als wärst du ein tölpelhafter Hinterwäldler, der frisch aus dem Boot gefallen ist. Irgendwann wird ihnen etwas herausrutschen.“

„Der Fürst hat seine Freunde und Berichterstatter unbesonnen ausgewählt“, fügte Hans Rahm hinzu. „Und ganz ohne Anstrengung hat er fast alle Regierungsmitglieder verstimmt. Aber im Moment kann man das dem Fürsten oder seinen Freunden schlecht sagen.“

„Mit wem arbeitet er denn zusammen?“ fragte Carl träge.

Jack und Hans Rahm sahen einander lange an, dann antwortete Jack: „Mit so ziemlich jedem, der gegen den Anschluss an die Vereinigten Staaten ist, sogar mit unseren alten Freunden südlich der Grenze.“

Die beiden sahen Carl erwartungsvoll an, doch er reagierte nicht. Nur ein Ausdruck nachdenklichen Verstehens huschte über sein Gesicht. Zuletzt antwortete er doch mit gelöster Stimme: „Unser Fürst Etepetete ist nicht gerade der beste Diplomat im Staate Texas, was?“

„Er ist ein Dummkopf, aber er hat Geld und mächtige Freunde.“ antwortete Jack. „Das ist die gefährlichste Art von Dummkopf. Lass dir nicht in die Karten schauen, Dutch – und halt die Augen offen.“

„Wie immer“, erwiderte Carl. „Das tue ich, seit ich denken kann.“

 

Letztlich arbeitete er kaum fünf Monate für den Fürsten, und schon das langeweilte ihn unermesslich. Es kam nichts Großes dabei heraus. Er durfte nur zwischen Galveston, Bexar und Washington-on-the-Brazos und entlang der Küste hin- und herreiten, während der Fürst nach dem idealen Stück Land für seine Einwanderer suchte. Es belustigte Carl nicht wenig, für das Gefolge des Fürsten das schweigsame, bedrohliche Raubein zu geben, besonders für dessen Privatsekretär. Das deutsche Personal des Fürsten – und es waren so viele, wie Jack behauptet hatte – war abwechselnd fasziniert, eingeschüchtert und herablassend, und manchmal alles zur selben Zeit.

Aber gegen Ende des Jahres erklärte der Sekretär ihm mit hochnotpeinlichem Gesichtsausdruck, der Adelsverein sei hoffnungslos überschuldet und er könne ihn daher nicht bezahlen. Der Fürst und sein Gefolge hatten ihr Lager gerade auf Decrows Point aufgeschlagen, einer kleinen Halbinsel, die in die weite Matagorda-Bucht hinausragte, wo man bei einigen Siedlern zu Gast war. Es waren zum Glück alte Bekannte – Carl hatte sie kennen gelernt, als er mit Jack von Bexar aus ins Land Streife geritten war.

„Kann ich wenigstens einen Wechsel haben?“ fragte Carl den Sekretär, der in seinem Sessel zu versinken schien. Ihre Gastgeber hatten dem Fürsten einige Zimmer in einem weitläufigen Blockhaus zur Verfügung gestellt. Der arme Wicht sah vollkommen verängstigt aus. Einen Moment lang bereute Carl es, dass er sich so rau gegeben hatte. „Dann nicht. Wenn jemand fragt, ich bin nach Norden unterwegs. Texas wird sich, wie’s aussieht, an die Vereinigten Staaten anschließen, und das gibt Ärger.“

„Aber nicht doch“, sagte der Sekretär verunsichert und Carl seufzte.

„Wie lange sind Sie jetzt hier? Es gibt immer Ärger – von den Indianern, von den Mexikanern und manchmal von allen zur gleichen Zeit. Ich werde dem Fürsten heute noch meine Aufwartung machen, aber morgen früh breche ich auf.“

An diesem Abend stieß ihm die Gesellschaft um den Fürsten, seine Begleiter und ihre unendlich geduldigen Gastgeber besonders übel auf. Die Somervell-Brüder hielten dem adligen Getriebe tapfer stand, aber Sam und Mary waren sichtlich ermüdet. Carl selbst hatte den Fürsten und seine Marotten schon lange satt und es war ihm sehr peinlich, für ihn zu arbeiten, selbst wenn er es nur auf Jacks Befehl hin tat. Gut, streng genommen war es kein Befehl gewesen, aber Jack hatte ihm keine Wahl gelassen. Der Fürst und sein extravaganter Tross hatten hier nichts verloren. Sie waren schrill, nutzlos und überheblich, und wenn ihnen jetzt das Geld ausging, war der Plan des Adelsvereins am Ende. Er würde das Ganze vergessen und endlich zu den Rangers zurückkehren können.

 

An diesem endlos scheinenden Abend sah ihn der Fürst immer und immer wieder mit seinem schmollenden Blick an. Sein Sekretär musste ihm bereits mitgeteilt haben, dass sein Schoß-Pionier am Morgen in aller Eile aufbrechen wollte. So ausdruckslos, wie er nur konnte, verabschiedete Carl sich bald von der Feier und stahl sich in sein spartanisches Bett im Speicher über dem zugigen Stall der Mavericks. Es war zwar kalt, aber dafür wenigstens ruhig, bis auf die Pferde, die unten im Stall ruhelos auf der Stelle traten und den Dezemberwind, der durch die Ritzen pfiff. Er war schnell eingeschlafen und wachte früh auf. Die Welt war noch still und lag in perlengrauen Dunst gehüllt. Er zog sich an und tappte leise zu dem Nebengebäude, das die Küche beherbergte. Die Küche war wie eine Insel voller Wärme und Feuerschein und verheißungsvoller Düfte. Sie war das Reich Jinnys, der junggebliebenen schwarzen Köchin der Mavericks. Wie ein Wirbelwind eilte sie zwischen Herd und Tisch hin und her und hielt nur kurz inne, um den Brotteig in Form zu kneten, der in seinem Kasten aufging, während ihr ältester Sohn schläfrig Kaffee mahlte. Sie strich sich mit ihrer mehligen Hand über die Stirn, als Carl durch die Tür hineinlugte, und grüßte ihn gutgelaunt.

„Gu’n Morgen, Mr. Dutch! Schon vor’n Hühnern auf heut’ Morgen!“

„Ganz recht, Jinny.  Ich werde heute Morgen abreisen, und ich will früh loskommen. Kann ich dich um ein kleines Frühstück und etwas Proviant für die Reise bitten?“

Jinny stocherte mit dem Schürhaken in der Herdfeuerung herum, um die rot-golden glühenden Kohlestücke aufzuwühlen, und antwortete über ihre Schulter weg:

„’ch’ab grad’ gar nichts fertig, Mr. Dutch, ’s tut mir leid, un’ nichts auf Vorrat außer ’n bisschen Brot, grad’ gut g’nug für die Hühner!  Miss Mary wär beschämt, wenn’ch ihr’n Gästen das gäb! Wie diese Ausländer essen könn’! Nich’ wahr? Nur ’ne halbe vertrocknete Apfeltasche, die hat Mr. Sam sich heut’ morgen gleich geholt!“  Sie schlug die Feuerung zu und wischte ihre Stirne wieder mit dem Schürzenzipfel ab. „Er is’ losgeritten, will zurückkommen, wenn’s Frühstück fertig is’.“ „’n bisschen kannste auf Mr. Sam warten, oder nich’? Un’ auf Miss Mary, sie will bestimmt vorbeikommen, obwohl’s ihr so übel geht.“

„Dann warte ich, Jinny“, antwortete Carl mit einem leisen Seufzer. Er hatte eigentlich vor Sonnenaufgang loskommen wollen.

„Tu das, Mr. Dutch.“ Jinny begutachtete ihn, während sie Eier in eine Tonschüssel aufschlug. „’s wird ’nen gut tun, dich nochmal zu seh’n. Un’ dir wird’s gut tun, richtig zu frühstücken, bist ja fast so dürr wie Mr. Sam, als er aus Perote zurück gekommen is’.  Du un’ Mr. Jacks Jungs, ihr esst lang nich’ genug, ihr fallt mir vom Fleisch. Wenn deine Mama dich säh, sie würd weinen, so durch’s Land zu reisen, ohne richtig Essen im Bauch!“

„Das würde sie nie tun“, erwiderte Carl belustigt. „Sie würde mich heißen, ein paar Äpfel zu pflücken und ihr nicht länger im Weg zu stehen.“ Jinny war berüchtigt dafür, dass sie stets versuchte, Sams Freunde mit Essen vollzustopfen. Sie schien überzeugt, dass sie alle dabei waren, zu Gerippen abzumagern, und dass sie das einzige war, das zwischen ihnen und dem sicheren Hungertod stand.

„Das reicht aber nu’, Mr. Dutch!“ Jinny eilte wieder zum Herd. „Wenn du ohne Frühstück gehst, schickt Sam dir ganz sicher einen der Jungs nach, glaub’s mir. Sag’ ma’, du verstehst das ganze ausländische Kauderwelsch! Kommt mir vor wie Krähengezeter … aber’s sind deine Landsleute, nich’ wahr?

„Nein.“ Carl schüttelte den Kopf. „Nein, mein Großvater und ein Teil der Familie meiner Mutter kommen von dort, aber meine Landsleute sind sie nicht. Ich verstehe ihre Sprache, mehr nicht.“  Jinny schien beruhigt, und er fügte hinzu: „Solange ich die nicht sehen muss, komme ich zum Frühstück. Ich wollte ohnehin noch etwas mit Sam unter vier Augen besprechen.“

„An der Küste wollt’ er entlangreiten, ’n Stück nach Osten“, antwortete Jinny. „Da ’rüber musste, dann triffst ihn, wenn er zurückkommt.“

Er hatte nichts Besseres zu tun, und er wollte bestimmt nicht dem Fürsten oder einem seiner Untergebenen begegnen. Es bedrückte ihn, daran erinnert zu werden, dass Jinny eine Sklavin war, dass sie Sam und Mary gehörte, ganz genau so wie ihm sein Pferd gehörte. Doch das behielt Carl wohlweislich für sich. Er mochte sie beide, sie waren ein liebenswürdiges Paar. Und Jinny gab sich so herrisch und verwalterisch, als wäre sie eine Verwandte, keine Sklavin. Nach dem Council House Fight war sie es gewesen, die sich zwischen die Kinder, ihre eigenen und die von Sam und Mary, und ein Paar Komantschen-Krieger gestellt hatte und die Indianer mit nichts als einem großen Stein in ihrer Hand verjagt hatte. Ein paar Jahre darauf war Griffin, Sams Hausdiener, mit der Rettungsexpedition mitgegangen, nachdem Sam bei Wolls Überfall auf Bexar in mexikanische Gefangenschaft gekommen war.  Nein, mit Sicherheit waren die Sklaven der Mavericks ihnen zugeneigt und ergeben, aber Carl hatte schon als Kind gelernt, dass es nicht recht war, Menschen zu besitzen, als wären sie Pferde oder Kühe. Mit diesem Widerspruch hatte er nie recht leben können: er fürchtete, dass ihm nicht viele Freunde bleiben würden, wenn er seine Meinung je offen sagte. Also behielt er seine Ansichten für sich. Ein Grund mehr, auf Kundschaft in das weite Llano hinauszureiten, wo er sich über solche Dinge keine Gedanken machen musste, wo er allein war mit dem Himmel und der Ebene, die sich in alle Richtungen meilenweit erstreckte.

Während er an die Küste herab ging, begann eine leichte Brise, den Morgennebel vor sich herzutreiben, hin zu den kleinen Wellen, die an dicht gepacktem weißen Sand und Muschelsplittern leckten und dabei klangen wie das Rascheln eines gestärkten Damenrocks. Das Meer war heute völlig ruhig, grau und sanft erstreckte es sich, so endlos und leer wie das Llano. Etwas weiter entfernt lag eine kleine Bucht, die vom Haus aus nicht einzusehen war. Er streifte seine Mokassins ab, legte seine Kleider auf einen Vorsprung und watete ins Wasser, um zu schwimmen. Irgendwie musste er sich ja die Zeit vertreiben und den Gefolgsleuten des Fürsten ausweichen. Er schwamm so lange, bis ihm wieder warm wurde, dann drehte er sich auf den Rücken, schaute zum Himmel und ließ sich treiben. Ihm wurde seltsam zumute, als ob etwas geschehen würde, aber er konnte nicht genau sagen, was.

Als Carl zu seinen Kleidern zurückkehrte, sah er ein kleines Lagerfeuer, das einen dünnen Faden Rauch in die Luft sandte, und eine Kaffeekanne aus Blech daneben, gerade nahe genug, um ihren Inhalt warmzuhalten.

„Ich dachte, du würdest vielleicht etwas Kaffee brauchen können. Und eins von diesen hier.“ Sam warf ihm ein grobes Stoffhandtuch zu. Er saß im Schneidersitz da wie ein Indianer und blickte angestrengt auf das Feuer, auf das Ufer und auf seinen Kaffeebecher aus Blech. „Ins Meer im Dezember, Dutch? Du übertreibst es aber mit der Kasteiung des Fleisches. Mary würde mir nie verzeihen, wenn ich mir eine Lungenentzündung holte. Wasserkur soll ja gesund sein, aber …“

„Es fühlt sich vor allem gut an, wenn man aus dem Wasser heraus kommt“, antwortete Carl, trocknete sich rasch ab und zog sich an.

„Du wäscht dich von Knechtschaft rein, was?“ Sam schien amüsiert. Er war ein schlanker Mann, etwa zehn Jahre älter als Carl, mit Lachfalten um seine tiefliegenden Augen. „Jinny hat mir gesagt, du willst heute Morgen abreisen? Und wir dachten, du hättest endlich etwas Festes gefunden!“ Er füllte einen zweiten Becher mit Kaffee und gab ihn Carl, der sich neben das Feuer in den Sand setzte. „Dieser deutsche Plan klingt doch nicht schlecht – vor allem, wenn du von Anfang an dabei bist.“

„Ohhh, das fühlt sich gut an!“ Carl legte seine Finger um die Tasse und überlegte, wie viel er Sam anvertrauen konnte. „Nein, ich bin nur auf Kundschaft.“

„Für Jack, den alten Teufel?“ Sam zog eine Augenbraue fragend nach oben.

„Natürlich.“ Carl trank ein paar Schluck Kaffee und stützte sich auf seinen Ellbogen. „Für wen denn sonst? Er denkt wohl so wie du, dass der Fürst und seine Genossen tatsächlich Leute auf ihrem Land ansiedeln wollen. Ich bin nur mitgekommen, um herauszufinden, wie ernst sie es wirklich meinen.“

„Sie haben immerhin schon ein Schiff voller Siedler in Galveston liegen“, bemerkte Sam, doch Carl schüttelte den Kopf.

„Ein Paar Schiffe voller Leute, und schon geht ihnen das Geld aus. Daraus wird nichts, Sam. Sie sind pleite, und Fürst Etepetete wird die ganze Sache langweilig. Dem Fürsten muss klar sein, dass er sich vor der gesamten Republik lächerlich gemacht hat … mein Gott, als Somervell eines Morgens sah, wie der Fürst in seine Hose gezwängt wurde, hat man sein Lachen bestimmt bis Port Cavallo gehört.“

„Und seine Wachen erst, die mit langen Säbeln und Federn im Hut umherstolzieren“, fügte Sam breit grinsend hinzu, „und die hohen Stiefel und die großen, klimpernden Reitsporen! Diese Leute sind ganz klar nicht an die Bedingungen hier gewöhnt.“

„Keine Frage.“ Carl blickte seinen alten Freund über das Lagerfeuer hinweg an. Sam war nicht nur mit Jacks Männern geritten, sondern war auch Jurist und hatte ein paar Amtszeiten im Parlament von Texas absolviert. „Wenn er sich hier auskennte, würde er sicher nicht mit den Mexikanern über Landzuteilung verhandeln.“

Sam stieß einen scharfen Pfiff aus, und sein Gesicht wurde plötzlich ernst.

„Bist du dir ganz sicher? Woher weißt du das denn?“

„Hab den Brief gesehen“, antwortete Carl, „als sein Sekretär ihn ins Reine geschrieben hat. Ich kann verkehrt herum lesen, ist immer wieder nützlich.“

„Das ist ja hinterhältig, Dutch“. Sam grinste breit. „Heimtückisch, unfein und betrügerisch; du könntest ein fabelhafter Rechtsanwalt werden! Schon mal daran gedacht?“

„Nüchtern nicht, nein. Ich habe genug gesehen. Ich werde Jack mitteilen, dass der Plan des Fürsten sicher zum Scheitern verurteilt ist. Selbst wenn sie mehr Geld aus ihren Investoren herauskitzeln können – was wird, wenn herauskommt, dass sie auch nur daran gedacht haben, sich mit Santa Anna zusammenzutun …“

„Dann braucht er viel Glück, um ohne Teer und Federn davonzukommen“, ergänzte Sam grimmig. „Weiß er denn nicht, wie sehr wir hier diesen Schlächter verabscheuen? Ist er so dumm, dass er meint, mit diesem doppelten Spiel durchzukommen?“

„Wahrscheinlich.“ Carl seufzte. „Er ist wie ein Kind mit Spielzeug. Denkst du, ein Kind denkt darüber nach, wie sich sein Spielzeug fühlt? Denkst du, das kümmert ein Kind? Nun, er hat Glück, und wir auch – das Ganze wird ihm schon langweilig. Jeder, der dumm genug ist, seinen Versprechungen zu vertrauen, wäre besser beraten, in Galveston zu bleiben und sich durchzuschlagen, oder sich Castros Elsässern anzuschließen. Die haben wenigstens eine Art Siedlung.“

„Und was hast du vor?“ fragte Sam und schaute ihn schief über seinen Kaffee hinweg an. „Nachdem du Jack Bericht erstattet hast, versteht sich.“

„Das gleiche wie früher, schätze ich.“ Carl zuckte mit den Schultern.

Sie schwiegen einen Moment lang, dann fragte Sam nach: „Hast du nie daran gedacht, dich niederzulassen? Einem normalen Beruf nachzugehen? Du könntest wirklich Rechtsanwalt werden.“

„In die Schule gehe ich nicht mehr“, wandte Carl ein, doch Sam tat seine Bedenken ab.

„Musst du nicht; viele der besten Juristen haben es sich selbst beigebracht, oder sind zu einem Rechtsanwalt in die Lehre gegangen. Du kannst lesen, und dumm bist du auch nicht. Oder du könntest Vermesser werden. Du warst so oft mit Jack und mir unterwegs, du hast den Bogen sicher raus.“

„Keine Lust. Und einen Laden will ich auch nicht schmeißen.“

„Was willst du dann mit deinem Leben anfangen?“ fragte Sam mit echtem Interesse. „Was hast du denn als Junge gelernt?“

„Landwirtschaft“, antwortete Carl. „Mein Vater hatte einen Bauernhof oben am Colorado. Das kann ich am besten – und kundschaften, natürlich.“

„Das wär’s doch“, antwortete Sam, und lehnte sich zufrieden zurück. „Etwas anbauen, das hat immer Zukunft. Vielleicht sollte ich meinen Vater bitten, dir zu schreiben. Er schickt mir immer Samen und Stecklinge, und meint, ich müsste dieses und jenes ausprobieren. Er sagt, wir könnten hier einen wahren Garten Eden zum Blühen bringen. Und“, und dabei blickte er Carl gezielt über seine Kaffeetasse an, „du könntest einem Mädchen den Hof machen.  Mary könnte dir ein paar Tipps geben, wenn du willst.“

„Das geht mir jetzt aber zu schnell“, lachte Carl und schlürfte den letzten Rest Kaffee aus seiner Tasse. „Mach dir um mich keine Sorgen, Sam. Ich finde schon etwas, wenn ich so weit bin. Aber keinen Augenblick früher.“

„Schade jedenfalls, dass aus dem Siedlungsplan des Fürsten nichts wird.“ meinte Sam. „Da hättest du gut abschneiden können, als Mittelsmann und so.“

„Was soll’s.“ Carl zuckte mit den Schultern. „Ich gehe jede Wette ein: In sechs Monaten kräht kein Hahn mehr nach dem Fürsten und seinem Adelsverein.“

 

2 Comments

  1. Celia – Is the German translation available? If it is, can I get a signed copy from you? I have a friend and a step-mother who are German born and I would like to get a copy for them as a gift. – Thanks (Virgil)

  2. Celia

    Yes – absolutely – I have some copies available, and whichever we want to meet at, to get a signed copy!